70 Tage ohne Lohn: Frauenarbeit gehört fair bezahlt
Am 23. Oktober war in Oberösterreich Equal Pay Day. Ab diesem Tag arbeiten Frauen bei uns rechnerisch gratis – bis Silvester. Denn Frauen, die Vollzeit arbeiten, verdienen in Oberösterreich im Schnitt 19,1 % weniger als Männer in Vollzeit. Umgerechnet sind das rund 70 Tage im Jahr ohne Lohn.
Im Vergleich der Bundesländer liegt Oberösterreich damit wieder auf dem vorletzten Platz – nur in Vorarlberg ist die Lücke noch größer. Ja, sie wird langsam kleiner. Aber viel zu langsam.
Immer dieselben Ausreden
Jedes Mal, wenn wir auf diese Zahl aufmerksam machen, kommen die gleichen Antworten:
„Frauen arbeiten halt mehr Teilzeit.“ – Die 19,1 % vergleichen ausschließlich Vollzeit mit Vollzeit. Teilzeit ist da gar nicht eingerechnet.
„Das stimmt ja gar nicht.“ – Doch. Die Berechnung beruht auf den Einkommensdaten der Statistik Austria, und sie zeigen jedes Jahr dasselbe Bild.
„Dann sollen sich Frauen halt besser bezahlte Berufe aussuchen.“ – Nur umgekehrt wird ein Schuh draus: Frauen suchen sich Berufe aus, die wir dann systematisch schlechter bezahlen.
Nicht Frauen wählen schlecht – wir bezahlen schlecht
Wie viele Männer wollen im Kindergarten arbeiten? Wie viele im Handel? Berufe, in denen man sich um andere Menschen kümmert, sind bis heute überwiegend Frauenberufe. Und genau diese Berufe werden systematisch schlechter bezahlt.
Frauen suchen sich also nicht schlecht bezahlte Berufe aus. Wir bezahlen Berufe schlechter, in denen vor allem Frauen arbeiten.
Und dann heißt es noch: „Du machst das ja eh gern.“ Gerade in der Pflege und in der Kinderbetreuung. Ja – weil man es für die Menschen macht, für die Kinder. Aber Freude an der Arbeit ersetzt kein faires Gehalt. Und es macht etwas mit Frauen, wenn ihre Arbeit ständig als selbstverständlich gilt.
Ohne sie steht alles still
Ohne Reinigungskräfte im Krankenhaus bricht der Betrieb zusammen: Niemand putzt den OP, keine Operation kann stattfinden. Ohne Kinderbetreuung stünden unzählige Eltern da und wüssten nicht, wie sie in die Arbeit kommen sollen.
Und Elementarpädagogik – das „elementar“ steckt schon im Namen. Was Kinder in diesen Jahren mitbekommen, ist der Grundstein für ihr ganzes weiteres Leben. Eine Kindergartenpädagogin trägt jeden Tag Verantwortung für bis zu 20 Kinder. Das gehört endlich ordentlich bezahlt.
Wir müssen das Denken ändern
Arbeit soll danach bezahlt werden, wie wichtig sie für uns alle ist – und nicht danach, ob sie als „Frauenberuf“ gilt. Dafür müssen wir unser Denken ändern. Fangen wir damit an.
